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Booklet

Dies ist eine richtige Bass-CD. Sie ist meiner Oma gewidmet, die im Sommer 1997 verstarb. Meine Oma war immer dagegen, daß ich Musiker werde, sie meinte ich solle mir eine “feste Anstellung” suchen. Ich bin ihrem Rat nicht gefolgt, aber als kleine Wiedergutmachung ist ihr nun diese CD gewidmet.

Der Titel hat aber darüber hinaus einen beabsichtigten Doppelsinn, bezeichnet man doch mein Hauptinstrument, den Kontrabass, scherzhafterweise auch gern als “Oma” – sei es wegen der üppigen Körperfülle, der eingeschränkten Mobilität oder der Empfindlichkeit gegen feuchte Witterung. Neben diesen schwierigen Seiten hat der Kontrabass aber auch einige angenehme, und dazu gehört die Tatsache, daß man als Bassist die Chance hat, sich in vielen unterschiedlichen Formationen und Stilistiken zu betätigen. So gehen die verschiedenen Stücke auf dieser CD auf bestimmte “Schlüsselerlebnisse” zurück, die ich in den letzten Jahren hatte.

Tracks 1,3,6,9 und 11:

Einer der wenigen Momente, in denen ich meine angeborene Faulheit überwand und mich als Bandleader betätigte, war, als ich es mußte: Mein Diplomkonzert stand an. Ich suchte einige Standards aus, die mir gefielen, und versuchte diese wie ein Bläser aufzufassen, indem ich zunächst das Thema interpretierte und dann ausgiebig solierte. Diese Spielweise stellt immense Anforderungen an die Fähigkeiten der Mitmusiker, nicht umsonst gilt das Begleiten von Bassolos unter Musikern als eine der schwersten Aufgaben. Davon ist jedoch bei Joe und Christian nichts zu bemerken, so leichtfüssig und inspirierend ist ihr Spiel. Sie begleiten so, dass jede Note von mir im besten Licht erscheint – eine tolle Sache für einen Solisten. Auch live hatte ich das Glück, mit Rolf Zielke und Billie Bontas eine hervorragende “Band” zu haben. Das Diplomkonzert lief sehr gut und gab mir den Anstoß, mit den Aufnahmen für diese CD zu beginnen. Bis zur Fertigstellung vergingen dann noch ein paar Jahre; das hängt wohl mit gewissen angeborenen Charakterzügen zusammen…

Tracks 4 und 7:

Vor einigen Jahren spielte ich Bass auf einigen Folk-Produktionen, darunter eine von und mit Werner Lämmerhirt. Dessen virtuoses wie geschmackvolles Fingerpicking-Spiel auf der Gitarre brachte mich auf die Idee, etwas ähnliches auf dem Kontrabass zu versuchen. Das Ergebnis sind diese beiden Kompositionen, die sich live zu meiner Überraschung als echte “Publikumslieblinge” herausstellten.

Tracks 2,5,8 und 10:

Im Oktober 1998 spielte ich mit Claudia und meiner Band “Banana Jazz Trio” in einem Club in Hannover namens “Marlene”. Während der Proben schlug Claudia vor, zwei befreundete Sänger als Gäste für einige Stücke hinzuzunehmen. Ich kannte die beiden bereits von der sehr bemerkenswerten A-Capella Band “Maybebop”. Sie kamen zu einer Probe, und am nächsten Tag rief ich Hrólfur an und buchte das Studio. Das war exakt der Sound, den ich benötigte, um meine Solo-CD abzurunden.

Zu meiner großen Freude schrieb Oliver extra für diese CD noch ein wunderschönes Arrangement von “Lonely Woman”, welches mittlerweile mein Lieblingsstück ist.Wenn ich es höre, denke ich manchmal an meine Oma und wie sie ihren Mann im Krieg verlor, kurz nach der Geburt ihres zweiten Kindes. Ohne das, was sie damals für meine Mutter und ihren Bruder getan hat, wären diese Aufnahmen niemals entstanden. Wenn ich jetzt, mit der fertigen CD in der Hand über solche Dinge nachdenke, bin ich nahe dran, mir aus reiner Dankbarkeit doch noch eine “feste Anstellung” zu suchen. Aber in meiner Zimmerecke steht meine andere, hölzerne “Oma”, die ihrerseits Erwartungen an mich stellt, die ich erfüllen möchte.

Wie soll man es den alten Leuten denn nun recht machen?

Frank Fiedler, April 1999

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